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Das beste Jahr, in meinem Leben.

Bald ist mein Geburtstag und ich komme wieder dazu, dass ich viel nachdenke. Diese Zeit ist immer etwas schwierig für mich. Bislang fand ich meine Geburtstage schwer und ich war oft sehr sentimental. Mir fehlt meine Familie. Nach wie vor und gefühlt mehr, als jemals zuvor.

Sie fehlen mir als Unterstützer und vielleicht auch einfach als seelischen Beistand. So sehr ich es auch versuche ohne zurecht zukommen, so sehr vermisse ich sie. Und so geht es mir auch dieses Jahr nicht gut, wenn ich daran denke.

Aber was hat sich in diesen einem Jahr verändert? Bin ich noch diejenige, die ich vor einem Jahr war? Nein, ich glaube nicht. Ich hoffe nicht. Ich bin selbstständiger geworden. Gefühlt innerlich an mir und meiner Situation gewachsen. Noch vor einem Jahr hatte ich das Gefühl, alleine zu sein.

Ich war unglücklich mit mir und dem Mutterdasein. Habe mich dessen entrissen gefühlt. Ja, ich fand es unfair. Immer wieder kam innerlich das „Warum“, „Warum wir?“. Dieses Jahr hat meine Sicht verändert.

Gerade erst letztens hatte ich glaube ich das erlebt, was mir endgültig die Augen geöffnet hat. Ich fühle mich nicht mehr, als würden wir vom Schicksal benachteiligt worden. Wir haben zwei Kinder, zwei vollkommen verschiedene. Und ich habe das Gefühl, dass wir damit einen Vorteil den anderen gegenüber haben. Durch meinen großen Sohn lerne ich jeden Tag aufs neue, dass es so viel mehr gibt in diesem Leben. Dass es nicht nur schwarz und weiß gibt. Er hat eine wirklich einzigartige Weise, diese Welt zu sehen. Und das ist ein Geschenk, was wir als Eltern bekommen haben.

Ein Jahr, dass ich mich in diesem „Umfeld“ einleben durfte. Letzte Woche war dort der letzte Kindergartentag in diesem Jahr und ich weiß, dass ich einen Ort gefunden habe, wo ich mit meinen Sorgen und Gedanken nicht alleine bin. Ich habe einen Ort gefunden, wo wir alle genommen werden, wie wir sind. Und das ist wunderbar. Es sind Bekanntschaften entstanden, die ich nicht mehr missen möchte. Es hat mich lange gebraucht, von meiner eigenen Angst nicht mehr geleitet zu werden und einfach offen dort anzukommen.

Und genauso habe ich es auch im Alltag gelernt. Ich weiß, dass ich mich einiges trauen kann. Dass ich einiges aushalten kann. Ich weiß aber auch, dass ich etwas bewegen kann. Ich habe meine eigene innere Stärke kennengelernt. Und auch das ist ein Vorteil davon, dass es mir einige Zeit nicht gut ging und ich auch immer wieder damit kämpfe. Ich gehe nun seit fast einem Jahr zur Beratungsstelle und der Berater dort, ist für mich unglaublich wichtig geworden. Genug „Danke“ werde ich nie sagen können.

Diese Menschen werden viel zu oft unterschätzt und viel zu selten nicht als das wahrgenommen, was sie sind. Durch ihn habe ich die Reise zu mir selbst erst angefangen. Durch ihn habe ich gelernt, dass Abstand zu den Kindern gut und wichtig ist. Und durch ihn lerne ich immer mehr, dass ich auch auf mich achten muss, um eine gute Mutter sein zu können. Viel zu lange habe ich alles und noch mehr nur für meine Kinder Tag für Tag aufgebracht. Weil ich es wollte und nicht anders konnte. Doch jetzt weiß ich wo meine Grenzen sind und wann ich Hilfe benötige.

Und das war auch wichtig, als ich im Herbst in mein bodenloses Loch fiel. Alles habe ich in Frage gestellt. Die Beziehung, mein Leben und mich. Ich wusste nicht mehr weiter und endete im Krankenhaus. Mit Hilfe der Ärzte, der Beratungsstelle und meinem Mann kam ich wieder auf die Beine und lernte Dinge aus einer neuen Perspektive zu betrachten. Seitdem sind wir als Paar gemeinsam gewachsen und wissen nun, wie wir uns stützen müssen.

Im Juli feiern wir unseren 9. Jahrestag und für mich wirkt diese Zahl unwirklich. Seit der Krise, sind wir stärker als jemals zuvor. Und ich merke, wie wichtig für uns die Paarzeit ist. Wir sind die Eltern und müssen ein stabiles Fundament für unsere Kinder bilden. So, wie wir uns behandeln, lernen es unsere Kinder. Wir sind verantwortlich dafür, was sie kennenlernen. Und mit einem wackeligen Fundament, ist eine Kinderseele nicht stabil. Umso wichtiger ist es, dass wir nicht nur als Eltern funktionieren, sondern auch als Paar.

Die Zeiten, die wir für uns haben, sind unglaublich wichtig. Und ich liebe jede einzelne Sekunde davon. Zusätzlich verstärkt unsere kleine Hundeseele unseren Familienalltag. Dieses Jahr konnte mit all den Tiefs, und es gab genügend, dennoch nicht besser sein. Ich bereue nichts, denn alles führte dazu, dass es uns allen besser geht. Wir sind endgültig eine Familie geworden und das hat uns dieses Jahr gebracht. Ich kann es kaum erwarten, was uns im nächsten erwarten wird.

Du öffnest dich ja nicht!

Immer wieder muss ich über diesen speziellen Satz nachdenken. Öfter habe ich ihn schon gehört, gerade in der letzten Zeit. Ich wäre so verschlossen und würde nur selten sagen, wie es mir wirklich gehen würde.

Ich nutze den Blog um offen und ehrlich zu sein. Und seien wir mal wirklich ehrlich. Alle Themen die mich beschäftigen und leider auch belasten, sind im Alltag nur schwer unterzubringen. Bei einem netten Kaffeenachmittag mit den Kinder? Bei der Geburtstagsfeier der Oma? Nein. Da findet das irgendwie keinen Platz. Es ist einfach auch sehr speziell.

Meine Kindheit, die aktuelle Panik und die Amnesie sind keine Themen für mal eben Zwischendurch. Und dann fällt es mir auch überhaupt nicht einfach, diese Themen überhaupt anzusprechen. Genauso schwer, wie es dem Gegenüber wohl fällt, mich danach zu fragen. Dabei wäre ich sogar sehr bereit darüber zu sprechen, wenn man mich danach fragt.

Ich mache meine kleinen Fortschritte im Alltag und werde mutiger. Aber bei diesen Themen verliere ich schnell den Mut, das überhaupt anzusprechen. Selbst in der Beratung, wo ich nun seit fast einem Jahr bin, wo all dieser Ballast seinen Raum hat, spreche ich manche Themen nur schwer an.

Auch heute, wo ich generell mich mutig gefühlt habe, habe ich es dann doch wieder gelassen. Es ist einfach unglaublich schwer. Manchmal würde ich mir wünschen, ich würde danach gefragt werden.

Beitragsbild: Wencke Schröder

Sorry, ich habe es vergessen!

Ein Satz, der mir schwer über die Lippen geht und dennoch so oft derzeit ausgesprochen wird von mir. „Sorry, ich habe es vergessen!“ „Ach war das heute?!“ „Es tut mir leid! Irgendwie ist mir das so durchgerutscht!“ Alles eine Sammlung an Phrasen und schlichtweg Ausreden. Ich habe es vergessen und bis zu diesem Zeitpunkt, wo ich darauf angesprochen werde, war es weg. Wie eine blanko Seite, die nicht beschrieben war. Auch keine Radiergummireste, die auf etwas Geschriebenes hinweisen könnte.

Es ist eine Seite im reinsten Weiß und trügt mit dieser unschuldigen Farbe. Diese Amnesie macht mich gefühlt wahnsinnig und lässt mich an mir selbst zweifeln. Sehr stark. Mehr als sonst. Sie lässt mich an meiner Geisteskraft zweifeln. Mir wurde mal gesagt, ich sei ziemlich tough und würde stark wirken. Ich glaube bis zu der Amnesie hätte ich das auch von mir selbst vielleicht behauptet. Ich kann Situationen aushalten, die für andere vielleicht untragbar wären.

Aber soll das wirklich das sein, wie mich andere sehen? „Sie ist tough und sie kann aushalten!“ So möchte ich nicht gesehen werden. Auch nicht als die vergessliche erwachsene Frau die ich bin. Auch nicht als die unzuverlässige Mutter, die Verabredungen vergisst und Termine ausfallen lässt. Und dann sich nicht meldet. Warum auch? In meinem Kontrollzentrum ist alles in bester Ordnung und ich habe keinen Termin vergessen.

Ich hasse es an mir. Diese Eigenschaften die ich entwickelt habe. Heute hätte ich einen Termin bei meiner Ärztin gehabt. „Sorry, irgendwie ist es mir durchgerutscht!“ Elektronische Erinnerungen bringen nur bedingt einen Erfolg und wenn ich es mir nicht auf die Hand schreibe, bleibt es in den Weiten meines vermurksten Gehirns verschollen.

Niemand weiß für wie lange und ich weiß nicht, wie lange ich mich selbst dessen stellen möchte. Tag ein, Tag aus. Ich kann mich an zig Kompositionen von Nils Frahm erinnern. Die Riffs von Clem Leek auf seiner himmlischen E-Guitarre. Aber was gestern war? Weg. Was heute morgen war? Teilweise weg.

Eine lange Zeit bin ich nun schon in diesem Stadium. Ja, ich weiß nicht mehr wie lange das nun schon so geht. Ich glaube ab Januar muss es angefangen haben. Denn da war es das letzte Mal, dass ich etwas für meine Zukunft gemacht habe. Es fühlt sich sinnlos an, mir Wissen anzueignen, was vielleicht morgen wieder weg ist. Heute habe ich mich seit dem wieder einmal dran gesetzt. Ich möchte nicht, dass man denkt ich sei dumm. Und um das nicht zu sein, muss ich an mir arbeiten. Notizen machen, es mir laut vorlesen und hoffen, dass die Bilder der Seiten irgendwie oder irgendwo hängen bleiben. Ich hoffe einfach, dass es nicht vollkommen umsonst sein soll.