Sich den Ängsten stellen

“You can never cross the ocean until you have the courage to lose sight of the shore” (Columbus)

Die Sprache ist ein Medium der Seele, mit der sie sich ausdrücken kann. Viele Schriftsteller und Poeten zeigen so, wie es im tiefsten Inneren ihrer eigenen Gefühlswelt aussieht. Was aber das wirklich schöne ist?

Man muss nicht wissen, was der Verfasser eines bestimmten Romanes, einer Kurzgeschichte oder eines einfachen Satzes erlebt hat, um den Inhalt für sich nutzen zu können. Die Sprache ist universell und kann diejenigen, die es lesen, auf einem gleichen Standpunkt vereinen.

Ich für mich, werde dieses Zitat als Motivation nutzen, um mich einer Entscheidung zu Stellen, vor der ich lange einen großen Respekt hatte und ehrlich gesagt auch noch immer habe. Die Entscheidung, über alles offen zu schreiben, um anderen vielleicht auch zu zeigen, dass es normal ist, ist nicht immer einfach. Ich glaube, das geht vielleicht vielen so, die etwas Neues wagen. Ich möchte aber auch nicht direkt wieder meine mir eigens gesetzten Ziele brechen.

Und weil ich offener sein möchte, berichte ich auch darüber, welche weitgreifenden Wege ich anstrebe und gehen werde. Ich habe nun für mich entschieden, dass ich eine intensive Form der Therapie beginnen möchte, um eine gewisse Stabilität in mein Gefühlsleben zu bringen. Ich möchte eine besser Mutter und Ehefrau sein. Ich möchte aber für mich selbst vor allem wieder eine Basis schaffen, wo ich das Leben wieder toll finde. Ab einem gewissen Punkt legt sich das depressive Denken wie ein grauer Schleier über das Leben.

Alles verliert an Farbe und fühlt sich abgedämpft an. Um das zu können, brauche ich Hilfe, wie ich diesen Schleier loswerde. Und dazu muss ich mich überwinden und mir Hilfe in einer Therapie suchen. Ein großer Schritt für mich. Aber wie der Satz schon sagt: „Mann kann niemals den Ozean überqueren, wenn man nicht die Courage hat, die Sicht auf das Festland zu verlieren.“

Bildquelle: Wencke Schröder

An Feiertagen fehlt etwas

Ein neues Jahr beginnt und damit leitet es auch endlich das Ende, einer langen Reihe von Festtagen ein. Natürlich ist Weihnachten schön und ein Fest, was man gerne mit seiner Familie feiert. Es fühlt sich warm an und in meiner Erinnerung riecht es nach Rauchmännchen und Zimt.

Früher gab es bei uns an Adventstagen immer die typischen „Krapfen“, die meine Mutter in einer besonderen Pfanne ausgebacken hat. Das Wohnzimmer war schön geschmückt und am liebsten hatte die kleinen Engelsfiguren, die ein Orchester darstellten. Auch an Weihnachten gab es Rituale, an die man sich dann doch irgendwie gerne zurück erinnert. Diese Erinnerungen sind mir heilig.

Genauso hatten wir gewissen Traditionen an Silvester, die sich über die Jahre eingeschlichen hatten und ein fester Bestandteil unserer Familie war.

Nun fehlt seit einigen Jahren meine Familie in meinem Leben. Ein Schritt, der mir nie einfach fiel, aber genauso wichtig war. Ein Selbstschutz, den ich ab einem gewissen Punkt brauchte, als ich das Gefühl hatte, in mir zerspringt alles. Dieser Schritt ist noch immer schwierig für mich.

Man betrauert etwas, was ja doch eigentlich da ist. Und wiederum ist es eben nicht da.

Nachdem ich mit 16 entschied, dass ich nicht mehr das Opfer sein möchte, hat sich bei uns innerhalb der Familie die Dynamik so sehr verändert, dass es einfach nicht mehr das Selbe war.

Es ist kompliziert und schwer zu erklären. Aber Fakt ist, dass ich an den Feiertagen mit dieser Entscheidung hardere und es zeitweise bereue. Hauptsächlich, weil mir das Gefühl von familiären Zusammenhalt fehlt. Das Gefühl Zuhause zu sein und einen Anker im Leben zu haben.

Ich habe eine eigene Familie gegründet. Aber diese kann und soll meine Erinnerungen nicht ersetzen und so wird es wohl noch einige Jahre schwierig sein.

Bildquelle: Wencke Schröder

Warum handele ich so?

Warum ist das so? Warum handele ich so, wie ich es tue? Ich glaube, zumindest für mich, ist es schwer, dass nicht zu wissen. Ich versuche so etwas immer zu rationalisieren, was in der Gefühlswelt natürlich nicht immer passend ist. Aber dennoch möchte ich gerne die Hergänge im Gehirn und der Gefühlswelt verstehen lernen, um so vielleicht auch mich zu verstehen.

Ganz oft ist unser Verhalten relativ einfach zu erklären. So ist es auch, wenn man ein Trauma erlebt hat. Ich habe mir dazu „Das große Trauma-Selbsthilfebuch“ von Jasmin Lee Cori bestellt. Und auch wenn ich wirklich nicht aus diesem Bereich komme oder es in irgendeiner Weise gelernt hätte, verstehe ich was sie meint.

Ganz grob runtergebrochen und vereinfacht, funktioniert unser Gehirn nicht richtig, wenn wir ein Trauma erlebt habe. Neurotransmitter geben uns falsche Signale, wodurch wir nach Außen oft so wirken, als würden wir irrational handeln. Eigentlich ist es auch so. Unser Trauma belastetes Gehirn spürt noch immer eine Angst, die nicht da ist. Oft reicht schon Stress als Impulsträger, um bei uns dieses Gefühl auszulösen. Dadurch angestoßen, fallen wir ganz oft wieder in diesen Selbstschutzmodus, um eben nicht weiteren Schaden an der Seele zu erleiden.

Das bedeutet aber eben auch, dass in meinem Fall zum Beispiel, es reicht, wenn ich irgendwo einen Knall höre, um in diesen Modus zu rutschen. Genau da ist es vielleicht wirklich gut, dass ich verstehe, was mit mir gerade passiert. Dass ich verstehe, welche Signale mein Körper gerade sendet, um entsprechend darauf zu reagieren.

Natürlich wäre es ein einfaches zu sagen, ich gehe diesen Situationen konsequent aus dem Weg und dann werde ich auch nicht mehr in diesen Zustand versetzt. So einfach ist es aber nicht. Ich glaube, wenn man sich nicht bewusst dessen aussetzt, lernen man nie, wie man das Gefühl in eine andere Richtung lenken kann.

Wenn wir bei dem Beispiel mit dem Knall bleiben. Natürlich ist es ein wirklich unangenehmes Gefühl. Das muss es auch sein. Das Grundsignal „Gefahr“ ist ein wichtiges und das sollten wir uns auch nicht abtrainieren. Aber in der Situation, wo keine Gefahr besteht, wäre es wichtiger, sich selbst zu zeigen, dass keine Gefahr besteht. Die Autorin nennt im Buch eine Übung, die einem Hilft, von dieser Angst etwas Abstand zu nehmen.

Rutscht man in dieses Gefühl hinein, merkt man es ganz deutlich. Ab da ist es an uns selbst, uns an Dinge zu halten, die positiv sind. Steht man zum Beispiel in einem Raum, kann man versuchen, diesen sich innerlich zu beschreiben. „Welche Farbe hat die Tapete? Sind Stühle da? Wie sehen diese aus? „usw. Je weiter wir ins Detail einen Gegenstand beschreiben, desto mehr tricksen wir unser irrational denkendes Gehirnarial aus und versuchen es wieder auf Normalstand zu setzen.

Ich für mich glaube, dass diese Übung wirklich gut umsetzbar ist und werde es auf jeden Fall probieren, wenn es notwendig ist.

Bildquelle: Wencke Schröder

Meine Reise, die eine andere ist.