„Du siehst ja schon wieder anders aus?!“

In den letzten Tagen ist einigen aufgefallen, dass ich schon wieder anders aussehe. Ich glaube, dass es sie überrascht. Und manchmal habe ich das Gefühl, dass einige dahinter mehr vermuten. Vielleicht ist es so. Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie meine Haare so kurz getragen, wie jetzt. Selbst in der „Pubertät“ war ich nicht diejenige, die drastische Dinge getan hat.

Weder Piercings, neue Frisuren oder Tattoos. Ich war auch nicht die, die viel Alkohol getrunken hat und in Clubs war. Und warum? Eigentlich recht einfach zu beantworten. Ich hatte Angst. Zum einen, weil ich damals noch in „dem anderen Leben“ gelebt habe und Angst  hatte. Aber auch, weil ich Angst vor der Reaktion der anderen hatte. Ich war sehr schüchtern und zurückhaltend.

Das hielt lange an. Bis etwas vor 4 Monaten. Ich wollte eine Veränderung und habe meinen taillenlangen Haare rot gefärbt. Das krasseste, was ich bis dahin gemacht habe. Und so saß ich dann im Büro und dachte mir, dass ich jetzt mutig genug bin um sie kürzer zu schneiden. Es wurde ein langer Bob und aus dem langen Bob wurde ein kurzer. Es kam ein Pony dazu und sie wurden noch kürzer. Bis ich mich dann endlich getraut habe, einen Pixie Cut schneiden zu lassen.

Das erste Mal, dass ich mich mit meiner Entscheidung unglaublich wohl gefühlt hatte. Manchmal meint es das Schicksal nicht gut mit einem. Und manchmal geschieht das öfter im Leben. Ich glaube, dass ich diese Art von Mensch irgendwie bin. Ich kann viel aushalten. Aber wenn einem immer wieder viele Situationen vor die Füße geworfen werden, die man aushalten soll, kommt der Wunsch nach Veränderung und vor allem Kontrolle. So ist das auch bei mir. Je mehr schlechtes geschieht, desto mehr habe ich den Wunsch die Kontrolle zu behalten.

Als mir nun die Haare ausfielen wusste ich ehrlich nicht, was ich machen soll. Ich habe mich so unwohl gefühlt und habe etwas versucht, was ich schon länger im Kopf hatte. Ich wollte ein Piercing. Ehrlich gesagt zwei. Und das wurde es dann auch. Wieder eine drastische Veränderung für mein Umfeld und ich glaube, dass sie sich deswegen auch Sorgen machen.

Als ich die Lücken im Haar dann nicht mehr ausgehalten habe, habe ich sie mir fast weiß gefärbt. Platin blond und die Haare, die überall auf dem Boden liegen, fallen mir nicht mehr so auf. Auch die Haare in den Händen, wenn ich durch mein Haar gefahren bin, sind somit fast unsichtbar. Nun sind da aber diejenigen, die sich Sorgen machen, weil ich so eine krasse Typveränderung gerade durchmache. Schließlich sagen ja auch Experten: „… die äußere Veränderung einer Frau hänge mit dem Streben, sich auch innerlich zu verändern, zusammen.“

Und ich glaube, dass es das am besten trifft. Ich arbeite sehr hart an mir, jeden Tag. Ich habe weder einen einfachen Alltag noch komme ich mit mir selbst gut zurecht. Jeden Tag stelle ich mich neuen Herausforderungen und versuche selbst meine Ängste in den Griff zu bekommen. Ich möchte mich verändern. Und vielleicht sehe ich ja nun „tougher“ aus, weil ich es sein möchte?! Ich weiß es nicht. Ich versuche es einfach zu schaffen. Eine gute Mutter, eine gute Ehefrau und ich möchte mir aber auch selbst gerecht werden. Und das ist der größte Kampf in meinem Leben. Und diese Typveränderung tut mir gut.

Es wird alles gut, hoffentlich!

Am Donnerstagabend war ich mir sicher, dass ich nicht zu der Gedächtnisambulanz fahren würde. Ich dachte mir, dass sie mir eh nicht helfen könnten. Ich war überzeugt davon. Felsenfest. Und ich hatte Angst, dass man mich nicht ernst nehmen würde. Ich glaube, das war die größte Angst. Für mich fühlt sich der Gedächtnisverlust so an, als würde ich verrückt werden. Ich weiß, ich wiederhole mich. Aber, dass ich meine eigenen Kinder auf den Bildern nicht erkenne, ist kein schönes Gefühl. Und es kommt ein Schuldgefühl mit. „Wie kannst du nur deine eigenen Kinder nicht erkennen?“ „Was bist du nur für eine Mutter?“

Und dann merke ich ja auch, wie schwer mir der Alltrag inzwischen fällt. Immer wieder die ganzen Sachen, die ich einfach vergesse. Die komplett weg radiert wurden. Es ist mir alles so unglaublich peinlich.

Gestern bei der Ambulanz wurden einige Tests gemacht. Die Dame war sehr nett und hat meine Sorgen auch sehr ernst genommen. Und die Ergebnisse der Tests zeigen leider auch, dass da etwas überhaupt nicht stimmt. Sie brauchte es mir eigentlich nicht mal so genau erklären, denn mir wurde bewusst, dass die Ergebnisse nicht in Ordnung seien. Durch die Tests konnte sie die Areale recht gut eingrenzen und es ist, wie ich es auch im Alltag merke. Mein Kurzzeitgedächtnis ist betroffen. 

Sie fragte, ob eine Bildgebung geplant sei und war froh, dass es schon am Mittwoch stattfindet. Sie sprach einige Verdachte aus und genau sowas, mancht mich wahnsinnig. Wenn es gut läuft, ist es einfach eine Zyste, die da auf dieses Areal drückt. Oder es wird einfach durch irgendwas schlecht versorgt. Aber sie nannte auch das K Wort und ab da raste es in mir. Die Gedanken fuhren Achterbahn und ich bin wirklich besorgt.

Das die verlorenen Erinnerungen wiederkommen, wird irgendwie immer unwahrscheinlicher und ich muss lernen, wie ich damit umgehe. Ich muss lernen, wie ich mit meinem Alltag umgehe, sollte es so bleiben. Das ist eigentlich die größte Angst. Dass ich für immer so ein Gedächtnis habe und dass ich für immer meine Erinnerungen verlieren werde. Ich habe Angst. Angst vor dem MRT und darauf, noch über eine Woche vielleicht warten zu müssen. Es ist gerade alles sehr, sehr viel um es irgendwie alleine aushalten zu können. 

Es muss eine Lösung her- dringend!

Nach dem Kommentar, den ich erhalten habe, fällt es mir schwer, weiterhin unbeholfen Beiträge zu schreiben. Ich bin mir wirklich nicht sicher, ob es nicht wieder einen Kommentar dazu gibt. Und das Gefühl, dass es von dieser Person gelesen wird, macht mich sehr nervös. Unglaublich nervös. Ich habe Angst vor ihr, schon immer. Und das nun, macht es nicht einfacher, über diese Angst hinweg zu sehen.

Irgendwie kommt das alles auf den unendlich großen Haufen mit oben drauf und ich frage mich manchmal schon, was es noch benötigt, bis ich einknicke. Jetzt gerade sind überall Ferien und ich muss noch einige Tage warten, bis ich wieder zu einem Gespräch kann. Meine Therapeutin ist da leider überhaupt keine gute Hilfe und hat weitere Termine erstmal abgesagt. Irgendwann in drei Wochen könnte ich wieder mal rein kommen. Das macht mich traurig, denn eigentlich habe ich ja eine Therapie bei ihr.

Ich würde sehr gerne über die Amnesie reden. Ich will meine Ängste irgendwo lassen können. Bei meinem Partner ist es nicht immer angebracht und ab einem gewissen Level, wiederholt man sich ja auch. Und trotzdem. Ich muss darüber reden. Ich weiß, dass ich nicht verrückt werde. Aber diese Amnesie zu haben, gibt mir das Gefühl, dass ich verrückt werden würde.

Ich versuche alles positiv zu sehen und auch diese Situation als Erinnerung zu betrachten. Eine Erinnerung daran, dass ich die Dinge im Leben eben nicht als selbstverständlich betrachten darf. Doch dann schaue ich mir Babybilder meiner Kinder an und kann einfach keinen Zusammenhang knüpfen.

Seit Monaten gehen mir Erinnerungen einfach abhanden. Sie werden mir einfach genommen und bislang bekomme ich sie nicht wieder. Und dann sind da die Momente, wo ich auch im Alltag Dinge vergesse, die irgendwie auch wichtig sind.

Immer wieder werde ich gefragt, wie es mir geht. Und weil ich nicht weiter weiß, rutscht wieder die Maske übers Gesicht und ich sage, dass es mir gut geht. Aber ehrlich? Es ist gerade einfach schwer. Unglaublich schwer und ich will endlich eine Lösung für dieses Problem haben. Denn so geht es mir nicht gut. Überhaupt nicht.

Meine Reise, die eine andere ist.