Rückzug ist auch ein Signal

Vor den Semesterferien habe ich mir vorgenommen, die Dinge zu machen, die mir gut tun. Die Dinge, die mir das Gefühl von Freiheit geben. Eines der Dinge war es zum Beispiel meinen Prozess schriftlich und online festzuhalten oder zum Kanal zu fahren und dort zu lesen. Doch die Wahrheit ist, dass dies deutlich schwerer ist, als gedacht. Diese chronische Erkrankung zeigt mir, dass es so etwas wie Freiheit gerade nicht für mich gibt. Meine Gedanken diesbezüglich werde ich etwas metaphorisch darstellen.

Versucht euch vorzustellen, dass jeder neue Tag sich wie ein leeres Blatt Papier darstellt. Mit jedem neuen Tag wird euch dieses Blatt mit Farbe und Pinseln vorgelegt. Diejenigen, die nicht krank sind, können ein grobes Gerüst des Tages auf dem Blatt verewigen. Ihr wisst ungefähr, welche Farben ihr für euren Tag nehmen werdet und könnt euch auch grob vorstellen, wie dieses Bild am Ende des Tages aussehen wird. Dies kann schon kurz nach dem Aufstehen so aussehen.

Bei mir liegt nur ein Blatt am Morgen. Ein leeres Blatt. Ich weiß nicht wie es am Ende des Tages aussieht und es kann auch durchaus sein, dass dieses Blatt auch am Ende des Tages noch leer ist. Nun gehen wir mal wieder in den nicht metaphorischen Modus.

Ich kann nicht mehrere Tage im voraus planen. Ich weiß oft nicht einmal, wie die nächste Stunde aussehen wird. Das ist nicht nur mit einem großen Druck, sondern auch einer großen Angst behaftet. Ich möchte in diese Gesellschaft passen, ich möchte Freunde treffen und ich möchte vor allem eine Mutter sein können. Das ist mein größtes Ziel. Doch die Realität sieht anders aus. Mit jedem Anfall habe ich das Gefühl zu versagen. Mit jedem Anfall kommt die Angst, irgendwann nicht mehr aufstehen zu können. Ich sehne mich nach Kontrolle. Nach etwas, das mir Halt und Sicherheit gibt. Und die Wahrheit ist, dass ich sie nicht finden werde.

Diese Anfälle nehmen mir alles, was ich brauche. Während eines Anfalles bekomme ich mit was um mich herum geschieht. Das Schlimmste ist aber, dass ich auch die Schmerzen des Krampfens und die Atemaussetzer mitbekomme. Und ich kann nichts dagegen tun, außer es einfach auszuhalten. Das Gefühl im eigenen Körper gefangen zu sein, ist wohl das, was mir von allem am meisten zusetzt.

Nach so einem Anfall kommt die große Traurigkeit. Ich bekomme das Gefühl wieder versagt zu haben. Und ich bekomme das Gefühl eine schlechte Mutter zu sein. Das ist die Zeit, in der ich mich zurückziehe. Letzte Woche Donnerstag war mein letzter Anfall. Die ersten Tage nach dem Anfall ist es am schlimmsten. Ich traue mich nicht aus dem Haus und fühle mich nirgends sicher. Tritt der typische Schwindel auf, verbringe ich die Zeit bis zum Anfall im Bett, damit ich mich nirgends stoßen kann.

Diese Vorsichtsmaßnahme ist wichtig, führt aber zu einer unglaublichen Einsamkeit. Kommunikation und Interaktion mit anderen Menschen ist wichtig für die mentale Gesundheit. Doch auch das nimmt mir meine Erkrankung oft. Dieser Text klingt so unglaublich traurig. Aber ich möchte nicht nur alles positive festhalten und erklären, warum es immer wieder Phasen gibt in denen ich mich so stark zurückziehe. Eine chronische Erkrankung hat seine vielen Facetten und Seiten. Es ist nicht nur das typische Krankheitsbild. Da geschieht so viel auf diversen Ebenen, die wir als Außenstehende oft nicht sehen. Gerade da ist aber Nachsicht und Empathie wichtig. Wenn ihr jemanden in eurem Bekanntschaftskreis habt, der sich immer mal wieder zurückzieht, hat es ein Grund. Schenkt ihm eine offene Tür und eine Anlaufstelle, sich sicher zu fühlen.

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