Shut up!

Die letzten Nächte waren nicht sehr einfach gewesen. Immer wieder Nachts schleichen sich diese Gedanken ein. Leise klopfen sie an und nehmen sich einfach den Raum. Ungefragt. Nicht eingeladen. Und trotzdem da. Wie wird man sie los? Diese Angst, die immer da ist.

Seit Jahren bin ich nun nicht mehr in der „aktiven“ Angst. Den Grund dafür gibt es nicht mehr. Und dennoch ist sie da. Die Angst davor, angefasst zu werden. Die Angst davor, wieder verlassen zu werden. Die Angst davor, dass ich alles verlieren könnte.

Oft denke ich, ich hätte es unter Kontrolle. Und dann kommt ein Passat vorbei, etwas Blut oder im Supermarkt jemand, der mir zu nah an der Kasse steht. Und dann merke ich, wie mein inneres sich zusammenzieht.

Alles beginnt sich zu drehen und ich bin auf höchster Alarmstufe eingestellt. Meine Nerven drehen durch und ich fange an zu schwitzen, obwohl mir gleichzeitig kalt ist.

Wie wird man es los? Man sagt, dass je öfter man sich diesen Situationen stellt, es einfacher wird. Gelogen. Einfacher wird es nie. Zumindest bei mir nicht. Ich brauche keine Angst haben. Warum habe ich sie dann immer noch? Vor allem nachts merke ich es wieder mehr.

Ich nehme ein Medikament, womit ich besser schlafen soll. Ich schlafe damit ein, dass ist schon mal gut. Aber nur wenige Stunden danach wache ich auf und bin schweißgebadet. Die Horrorbilder noch immer vor Augen. Immer wieder mit dieser Todesangst, die sich viel zu echt anfühlt.

Am nächsten Morgen wache ich gerädert auf und hoffe, wie jeden Tag, dass es weg geht. Mit dem Moment, wo ich mein Make Up auftrage, sitzt auch meine Maske wieder. Ich versuche die Angst weg zu lächeln. Versuche die Panik im inneren festzuhalten. So, dass sie keiner sieht und keiner merkt, wie es in mir wirklich aussieht. Es ist bestimmt nicht der richtige Weg. Aber ab dem Moment, wo ich es rauslasse und jemanden merken lasse, wie es mir geht, habe ich Angst, dass dieses Gerüst, was ich mir erbaut habe, einstürzen wird.

Ich bin in diese Art von Leben hineingeboren worden. Ich habe es mir nicht aussuchen können und wurde einfach ausgesucht. Ich glaube das ist etwas, was viele nie verstehen werden. So eine Kindheit begleitet einen bis ans Lebensende.

Beitragsbild: Wencke Schröder

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