Warum schläfst du nicht?

Heute war mal wieder eine Nacht, die man sich so nicht wünscht. Eine Erholung ist kaum möglich und im Grunde ist man noch erschöpfter, als am Abend. In der Nacht geht es in meinen Gedanken rund. Das ist die Zeit, in der mein Sicherheitssystem auf Hochtouren arbeitet und das Gefühl hat, etwas zu verpassen. Es ist eine irrationale Angst, denn zu befürchten habe ich nichts.

Mein Mann hat damals bei unserem Hausbau auf viele Dinge geachtet, die mir ein besseres Gefühl von Sicherheit geben sollen. Und ich weiß, dass so schnell keiner in unser Haus kommen kann.

Und trotzdem lässt mich dieses Gefühl nie so ganz los. Immer in Lauerstellung und auf der Hut schläft es sich auch einfach blöd. Ich werde bei jedem Geräusch wach und schlafe so angespannt, dass ich am nächsten Tag mit Muskelschmerzen aufwache. Durch diesen Zustand von Anspannung falle ich aber auch leichter in Flashbacks, die bei mir zu einem totalen Kurzschluss führen. Flashbacks lassen einen eigentlich sowohl körperlich als auch geistig noch einmal durch die Situation gehen, die das Trauma ausgelöst hat. Man kann die Schmerzen zum Teil spüren und auf jeden Fall das ehrliche und pure Gefühl von Angst.

Es kann aber auch sein, dass sich die Abwehrsysteme wieder einschalten, die einem damals geholfen haben, keinen größeren Schaden davonzutragen. Bei mir kommt es häufig zu Krampfanfällen und den Zustand der Dissoziation. Auf der einen Seite ist es gut, denn ich selbst erinnere mich nicht daran. Mein Körper schon. So ein Krampfanfall geht ganz schön auf die Muskeln und man fühlt sich anschließend, als hätte man einen Marathon durchgemacht.

Ich möchte das nicht erzählen, damit ich in irgendeiner Weise vielleicht Mitleid erhalte. Es geht vielmehr darum, dass ein Verständnis dafür wächst, dass es eben nicht so einfach ist, die körperlichen Symptome loszuwerden. Dass es auch nicht so leicht ist, ins normale Maß zurückzufinden, wenn einen der Körper immer wieder in diese Situation zieht.

Und für mich ist es wichtig zu wissen, dass man nicht alleine ist. Dass es auch andere gibt, die darunter leiden.

Bildquelle: Wencke Schröder

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